Seit 1893

Geschichte

Die Chronik der Altschützen – von der Gründung 1893 bis zur ersten Fahnenweihe 1984.

Die folgende Chronik hat Waltraud Jauß für die Festschrift zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Altschützen Baierbrunn e.V. (13.–16. Mai 1993) zusammengefasst. Wie es danach weiterging, zeigen unsere Schützenkönige und der Bereich Bisher.

Gründung und erste Jahre

Am 1. Februar 1893 wurde die Schützengesellschaft Baierbrunn gegründet. Die Kenntnis dieses Gründungsdatums verdanken wir unserem Schützenbruder Alfred Hutterer, der die Statutensammlung bei seinen Recherchen zu seiner Ortschronik entdeckt hat.

Gustav Ludwig, 1. Schützenmeister ab 1921

Gustav Ludwig, 1. Schützenmeister ab 1921 und später 1. Gauschützenmeister

Denn erst im Jahre 1928 versuchten der damalige 1. Schützenmeister Gustav Ludwig, 2. Schützenmeister Martin Gerb und der Kassier Josef Strobl mit dem damals 70-jährigen Leonhard Klostermeier, eine Chronik der Baierbrunner Schützen zu erstellen – damals konnten leider keine schriftlichen Protokolle gefunden werden. Das hatte eventuell auch mit dem Wechsel der Wirtshausbesitzer zu tun: Die Familie Köck hatte um die Jahrhundertwende die Wirtschaft an den Gastwirt Fritz Meier verkauft, und dieser stand mit dem bestehenden Schützenverein auf Kriegsfuß. So wurde im Gasthof „Zum Neuwirt“ die Schützengesellschaft „Jungschützen“ gegründet, die sich im Jahre 1927 wieder auflöste.

Als 1913 der Gasthof zur Post mit Herrn Josef Strobl einen neuen Besitzer bekam, kam wieder Leben in die Altschützen Baierbrunn; zum schnelleren Aufschwung stiftete er einen neuen Zimmerstutzen. Durch den Ersten Weltkrieg erlitt das neue Vereinsleben bis 1919 wieder einen herben Rückschlag; auch die folgenden Inflationsjahre ließen keinen neuen Aufschwung zu.

Als im Jahre 1921 Gustav Ludwig zum 1. Schützenmeister gewählt wurde, kam mehr Leben in den Verein; 1922 trat man dem Bayerischen Zimmerstutzenverband bei. Bei der Gründungsversammlung des Gaues XV Wolfratshausen wurde Gustav Ludwig zum 2. Gauschützenmeister gewählt. Noch im selben Jahr übernahm er wegen seiner vielseitigen Kenntnisse im Schützenwesen das Amt des 1. Gauschützenmeisters. Im Jahre 1927 führten die Altschützen Baierbrunn anlässlich ihres 30-jährigen Gründungsfestes ein Gauschießen durch.

Endschießen 1929

Endschießen 1929

Die erste Schützenkette und die Kriegsjahre

Im Jahre 1930 erhielt der Verein erstmals eine Schützenkette, die trotz vieler Taler- und Münzspenden von Schützenkameraden und vor allem von Herbergsvater Josef Strobl noch 85 Reichsmark kostete. Als erster Schützenkönig durfte Emil Schürer am 30. August 1930 das schöne Stück mit nach Hause nehmen. Danach fanden sich nur noch 23 Reichspfennige in der Schützenkasse – alles Geld war für die Anfertigung der Kette verwendet worden.

Ein größeres Schießen fand im September 1935 im Freien statt, nämlich auf der „Rothmeier-Alm“. Geschossen wurde auf Fest-, Stern- und Wehrmannsscheibe. Schon damals konnten die Altschützen über die Beitragseinnahmen ihrer Mitglieder nicht frei verfügen: An den Gau und an die Deutsche Schießbehörde mussten Beiträge abgeliefert werden.

1941 erlahmte der Schießbetrieb nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und ruhte bis Ende 1957.

Wiederbelebung 1958

Da vorerst niemand von den alten Schützenkameraden die Schützengesellschaft wieder aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckte, fand sich auf Betreiben von Herrn Kastner in der Waldgaststätte Buchenhain die „Schützengesellschaft Buchenhain“ zusammen. 1957 erhob diese Anspruch auf die Baierbrunner Schützenkette. Nun rührte sich das Herz der alten Schützenkameraden – die ältesten davon (Sexl, Weickmann, Stahuber und Beil) riefen zu einer Wiederbelebungsversammlung am 11. Januar 1958 auf.

Die Vorstandschaft nach dem Zweiten Weltkrieg:

Amt Name
1. Schützenmeister Josef Sexl
2. Schützenmeister Fritz Weickmann
Schriftführer Jakob Beil
Kassier Josef Strobl
Zeugwart Johann Stahuber

Es war ein hoch anzurechnender „Verdienst“ des Herbergsvaters Josef Strobl sen., dass er seinen Zimmerstutzen bei der Ablieferung der Waffen an die Amerikaner nicht „gefunden“ und erst später wieder ausgegraben hatte – so konnte der Schießbetrieb vorerst mit einem Zimmerstutzen aufgenommen werden. Der Schützenkönig vor dem Krieg, Alex Stiegler, hatte die Schützenkette über den Krieg hinweg gerettet, versah sie mit einem neuen Taler und übergab sie wieder dem Verein. Nach dem Wiederaufleben zählten die Altschützen 40 Mitglieder.

Vom „Salettl“ ins Sport- und Bürgerzentrum

  • 1961/62: Kauf eines Zimmerstutzens und eines zweiten Seilzugs, 1962 kam ein weiterer Stutzen hinzu.
  • 1965: Herbergsvater Josef Strobl baute sein Lokal um und erlaubte den Schützen, im „Salettl“ ihre Stände aufzubauen.
  • 1967: Jubiläumsschießen zum 70-jährigen Bestehen der Altschützen.
  • 1972: Eintrag ins Vereinsregister; die Mustersatzung des Bayerischen Sportschützenbundes wird anerkannt.
  • Vereinsabzeichen: Josef Wagner erinnerte sich an ein altes Abzeichen aus der Gründerzeit der „Jungschützen“. Es wurde einmütig als Abzeichen der Altschützen Baierbrunn e.V. übernommen.
  • 1976: Kauf einer Jungschützenkette – ein Jahr später durfte Jungschützenkönig Josef Wagner sie mit nach Hause nehmen.
  • 1977: Jubiläumspreisschießen zum 80-jährigen Gründungsjubiläum (14.–16. April) mit Preisverteilung im Pfarrsaal, Festgottesdienst und Schützenzug, angeführt vom Trommlerzug der Gebirgsschützenkompanie Beuerberg, und Totengedenken am Kriegerdenkmal.
  • 1979: Nach langer Suche wurde im Kloster Schlehdorf eine Fahnenstickerei gefunden; Valentin Pruy entwarf das Fahnenmotiv.

Im Herbst 1981 wurde endlich das von der Gemeinde Baierbrunn gebaute Sport- und Bürgerzentrum fertiggestellt. Vom langjährigen Herbergsvater Josef Strobl sen. verabschiedeten sich die Altschützen mit einer großen Abschiedsscheibe.

Im neuen Schützenheim im Kellergeschoss kann man auf 12 automatischen 10-Meter-Ständen mit Zimmerstutzen, Luftgewehr, Luftpistole und Armbrust schießen, und im gemütlichen Schützenstüberl lässt es sich „grüabig ratschen“. Zusammen mit der Schützengilde Georgenstein verfügen die Altschützen damit über einen der bestausgerüsteten Schießstände. Diese Bedingungen trugen zu einem sprunghaften Anwachsen der Mitgliederzahl bei: 1981 waren es noch 144, 1982 schon 180 Mitglieder – 1993 zählte der Verein über 250 Mitglieder, rund 10 % der Ortsbevölkerung.

Gauschießen und Fahnenweihe

1983 richteten die Altschützen das 31. Gauschießen des Isar-Loisach-Schützengaus Wolfratshausen aus – anlässlich des 90-jährigen Gründungsfestes, der 25-jährigen Wiedergründung, des 110. Geburtstags des ehemaligen Schützenmeisters und Gauschützenmeisters Gustav Ludwig und des 60-jährigen Bestehens des Gaus. 657 Schützen aus 31 Vereinen kamen zu diesem Schießen.

1984 luden die Altschützen zur ersten Fahnenweihe in ihrer 90-jährigen Geschichte ein. Zu Festzug und Festzelt kamen viele Schützen aus nah und fern – aus dem Isar-Loisach-Schützengau Wolfratshausen und aus Hochfilzen und Nauders in Tirol.

Die Vereinsfahne der Altschützen Baierbrunn

Die Vereinsfahne, geweiht 1984

Ehrenmitglieder

Unser Dank gilt den langjährigen Vereinsmitgliedern, die mit ihrer aufopfernden Tätigkeit viel Idealismus und freie Zeit für die Altschützen eingesetzt haben und deshalb zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden:

Ehrenmitglieder: Josef Strobl sen., Georg Fellermeier, Simon Pfister sen. und Jakob Beil

Von links: Josef Strobl sen., Georg Fellermeier, Simon Pfister sen. und Jakob Beil

Die älteste Schützenscheibe der Altschützen Baierbrunn

Die älteste Schützenscheibe im Besitz der Altschützen Baierbrunn